PRESSEMITTEILUNG von der Ocean Foundation
Zur sofortigen Veröffentlichung: 18 December 2025
WASHINGTON, DC – Die Ocean Foundation verfolgt mit Sorge die Durchfahrt des Tankers HYPERION (IMO 9322968) durch karibische Gewässer auf dem Weg zu venezolanischen Häfen. Als Organisation, die sich dem Schutz der Ozeane und der maritimen Umwelt verschrieben hat, stellen wir fest, dass dieses Schiff beispielhaft für die Umweltrisiken steht, die von der wachsenden globalen Schattenflotte ausgehen.
Der HYPERION weist mehrere Eigenschaften auf, die das Umweltrisiko erhöhen:
Alter des Gefäßes: Die 2006 gebaute HYPERION ist 19 Jahre alt – und nähert sich damit der oberen Grenze der sicheren Betriebsdauer für Öltanker und liegt weit über dem Branchenstandard für Schiffe in sensiblen Transitgebieten.
Flaggenstaatsgeschichte: Das Schiff hat mehrfach die Flaggenregistrierung gewechselt (Barbados, Komoren und jetzt Gambia), ein Muster, das mit nachlassender behördlicher Aufsicht und Klassifizierungsstandards einhergeht.
Versicherungsstatus: Schiffe, die unter mehreren Gerichtsbarkeiten Sanktionen unterliegen, verfügen in der Regel nicht über einen ausreichenden Schutz- und Entschädigungsschutz (P&I) durch die Clubs der International Group, was bedeutet, dass im Falle von Umweltschäden die Küstenstaaten die Kosten für die Beseitigung tragen müssen.
Ökosystem-Exposition: Das Karibische Meer beherbergt wichtige marine Ökosysteme, darunter Korallenriffe, Seegraswiesen und Küstenfischereien, die Millionen von Menschen in der gesamten Region ernähren.
Die Umweltkrise der Schattenflotte
Dieser Transport findet vor dem Hintergrund einer wachsenden globalen Krise der Schattenflotte statt. Über 700 veraltete und schlecht gewartete Schiffe operieren mittlerweile außerhalb internationaler Regulierungsrahmen – das entspricht etwa 17 % aller internationalen Tanker – und das Risiko schwerwiegender Umweltkatastrophen hat ein beispielloses Ausmaß erreicht. Seit 2021 wurden durch Satellitenüberwachung mindestens neun Ölunfälle dokumentiert, die mit Schiffen der Schattenflotte in Verbindung stehen, von Thailand bis Schottland.
Die jüngste Umweltkatastrophe im Schwarzen Meer, bei der Tanker der Schattenflotte schätzungsweise 14 Milliarden US-Dollar an Ökosystemschäden verursachten, zeigt, dass diese Risiken nicht theoretischer Natur sind. Die Frage ist nicht, ob es zu einem größeren Zwischenfall in der Karibik kommt, sondern wann – und wer die ökologischen und wirtschaftlichen Kosten tragen wird.
Kritische Lücke: Regionale Kapazitäten zur Ölbekämpfung
Besonders besorgniserregend ist der Mangel an adäquaten Mechanismen zur Eindämmung und Bekämpfung von Ölverschmutzungen in der gesamten Karibik. Anders als in europäischen Gewässern, wo die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) eine Flotte von 20 Schiffen zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen betreibt und über ihren Dienst CleanSeaNet eine Satellitenüberwachung durchführt, bestehen in den Küstenstaaten der Karibik und Lateinamerikas erhebliche Lücken in der Reaktionsinfrastruktur, der Vorpositionierung von Ausrüstung und der koordinierten Notfallplanung.
Eine größere Ölkatastrophe in diesen Gewässern würde die bestehenden Einsatzkapazitäten überfordern. Vielen karibischen Inselstaaten fehlen die Spezialausrüstung, das geschulte Personal und die finanziellen Mittel, um effektiv auf einen großflächigen Tankerunfall reagieren zu können. Die weitläufige Region erschwert die Koordination zusätzlich, und das Fehlen solider regionaler Einsatzabkommen bedeutet, dass in den kritischen ersten Stunden eines jeden Vorfalls – also genau dann, wenn Eindämmungsmaßnahmen am wirksamsten sind – wertvolle Zeit verloren ginge.
Die Versicherungslücke verschärft diese Anfälligkeit. Wenn Schiffe der Schattenflotte keine ausreichende P&I-Versicherung haben, fehlt ein schnell verfügbarer Finanzierungsmechanismus für eine rasche Reaktion. Küstenstaaten sehen sich möglicherweise gezwungen, zwischen einer kostspieligen Aufräumaktion mit ungewisser Kostendeckung und dem Zusehen zu wählen, wie Öl an Strände und in Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe gespült wird.
Unsere Position
Die Ocean Foundation bezieht keine Stellung zur Sanktionspolitik, da diese komplexe geopolitische Überlegungen beinhaltet, die außerhalb unserer Expertise liegen. Wir sind jedoch zutiefst besorgt über die ökologischen Auswirkungen der Schattenflottenoperationen, die sowohl von politischen Entscheidungsträgern als auch von Naturschutzorganisationen bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Wir fordern:
1. Umweltverträglichkeitsprüfung: Die Schifffahrtsbehörden sollten systematische Umweltverträglichkeitsprüfungen der alternden Schattenflottenschiffe durchführen, die in sensiblen Meeresgebieten operieren.
2. Versicherungsnachweis: Küstenstaaten sollten vor der Genehmigung der Durchfahrt durch ihre Gewässer den Nachweis einer ausreichenden Umwelthaftpflichtversicherung verlangen.
3. Aufbau regionaler Reaktionskapazitäten: Dringend erforderlich sind Investitionen in die Infrastruktur zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen in der Karibik, einschließlich der Vorpositionierung von Ausrüstung, der Ausbildung von Personal und regionaler Koordinierungsmechanismen.
4. Proaktive Überwachung: Verbesserte Satellitenüberwachungs- und Frühwarnsysteme sollten in den risikoreichen Schifffahrtskorridoren der gesamten Region eingesetzt werden.
5. Internationale Koordination: Zur Bekämpfung von Umweltbedrohungen, die über traditionelle Durchsetzungsgrenzen hinausgehen, ist ein koordinierter internationaler Reaktionsrahmen erforderlich.
Unsere Arbeit: Initiative zum Schutz des Meereserbes und Ocean Sentinel Response
Die Ocean Foundation arbeitet aktiv daran, diese Lücken durch unsere Initiative zum Erbe der OzeaneUnsere Arbeit über potenziell umweltbelastende Wracks hat gezeigt, dass proaktive Bewertung und Intervention weitaus kosteneffektiver sind als reaktive Sanierungsmaßnahmen – und dass die internationale Gemeinschaft praktische Rahmenbedingungen für die Bewältigung von Meeresverschmutzungsrisiken entwickeln kann, bevor Katastrophen eintreten.
Durch Projekt TangaroaIn Zusammenarbeit mit der Lloyd’s Register Foundation und der Waves Group haben wir wegweisende Methoden zur Bewertung und Priorisierung von Maßnahmen gegen Schiffe entwickelt, die Umweltrisiken darstellen. Diese Arbeit hat gezeigt, dass dieselben Prinzipien – systematische Risikobewertung, internationale Koordination, proaktive Überwachung und vorpositionierte Reaktionskapazitäten – unerlässlich sind, um die Bedrohung durch die Schattenflotte zu bekämpfen.
Wir entwickeln derzeit die Initiative „Ocean Sentinel Response“, um diese Ansätze auf die Herausforderung der Schattenflotte auszuweiten. Ziel dieser Initiative ist es, die entscheidende Lücke in der Führung von Naturschutzmaßnahmen angesichts dieser neuen Bedrohung zu schließen und Küstenstaaten, denen die Ressourcen zur Bewältigung dieser Risiken fehlen, wissenschaftlich fundierte politische Lösungen und technische Unterstützung anzubieten.
Die Krise der Schattenflotte wird sich nicht von selbst lösen. Ohne proaktives Eingreifen werden die Umweltkosten unweigerlich von Küstengemeinden und marinen Ökosystemen getragen, die an der Entstehung dieses Problems keinesfalls beteiligt waren. Der Ozean verdient bessere Reaktionen als krisengetriebene Maßnahmen auf vermeidbare Umweltkatastrophen.
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Mediathek Kontakt: Mark J. Spalding, Präsident der Ocean Foundation
Über die Ocean Foundation
Die Ocean Foundation ist die einzige gemeinnützige Stiftung, die sich ausschließlich dem Schutz der Ozeane widmet. Im Rahmen unserer Ocean Heritage Initiative arbeiten wir mit Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und Küstengemeinden weltweit zusammen, um Bedrohungen mariner Ökosysteme – darunter potenziell umweltbelastende Schiffswracks und neue Risiken durch die Schattenflotte – zu bekämpfen und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ozeane zu fördern. Erfahren Sie mehr unter [Link einfügen]. www.oceanfdn.org.
Relevante Unterlagen
• „Die Schattenflottenkrise: Wenn Meeresschutz auf globale Sicherheit trifft“ — SEVENSEAS Media https://sevenseasmedia.org/shadow-fleet-crisis-ocean-conservation-global-security/
• „Die Kapitänsbeschlagnahme: Wenn gute Schiffe ins Netz der Schattenflotte geraten“ — Der Blog der Ocean Foundation https://oceanfdn.org/the-skipper-seizure-when-good-ships-get-caught-in-the-shadow-fleet-dragnet/
• Projekt Tangaroa: Initiative gegen potenziell umweltbelastende Wracks — Initiative zum Meereserbe https://oceanfdn.org/initiatives/ocean-heritage-initiative/





